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Samstag, Januar 07, 2012

Христос се роди - Orthodoxes Weihnachten (Mazedonien)

Samstag, Januar 07, 2012

Die Orthodox-Gläubigen leben nach dem julianischen Kalender, aus diesem Grund fällt Heiligabend bei uns auf den 6. Jänner. Wir haben keine Adventzeit, dafür eine Fastenzeit vor Heiligabend. In dieser Fastenzeit wird auf jegliche Milch-, Eier- und Fleischprodukte verzichtet, um den Körper zu reinigen.
Wir haben wie gesagt keinen Advent, daher auch keinen Adventkranz. Beschenkt werden wir zu Weihnachten auch nicht, daher gibt es auch kein Christkind. Aber an den Weihnachtsmann glauben wie, und der bringt uns Geschenk zu Neujahr.
In der Nacht auf den 6. Jänner - auch Kolede gennant - wird ein riesiges Feuer entflammt. Wohnt man in einem Dorf, versammeln sich die Einwohner und entfachen gemeinsam ein Feuer. Auch in den kleineren Städten werden Feuer hinter den Häusern entfacht. Es wird gefeiert, Musik gehört und heiße Rakija getrunken. In dieser Nacht ist es nicht von Bedeutung ob du die Menschen kennst, magst oder nicht - du wirst dich überall wie zu Hause fühlen, denn es wird dich jeder mit Freude aufnehmen.
Am Morgen des 6. Jänner gehen die kleinen Kinder in ihrer Nachbarschaft von Tür zu Tür und singen Lieder. Das wohl berühmteste Lied bei uns in Mazedonien für Kolede ist:
Коледе леде - Kolede lede - Kolede lede
паднало греде - Padnalo grede - ein Holzbalken ist runtergefallen
утепало деде - utepalo dede - ist auf Opa gefallen
деде се мачи - dede se maci - Opa quält sich
баба го квачи - baba go kvaci - Oma sitzt auf ihn
со четири јајца - so cetiri jajca - mit vier Eiern
гускини, шаткини. - guskini, shatkini. - von der Gans, von der Ente.
Денес е Коледе, - Denes e Kolede, - Heute ist Kolede,
утре е Божиќ - utre e Bozik - morgen ist Weihnachten
ќе колеме теле - ke koleme tele - wir werden ein Kalb schlachten
теле вика леле - tele vika lele - das Kalb schreit ooh
не колете мене - ne kolete mene - schlachtet mich nicht
ќе ви купам зеље - ke vi kupam zelje - ich kaufe euch Sauerkraut
да месите пита - da mesite pita - macht damit Pita
да јадете сите. - da jadete site. - ihr sollte alle essen.
Коледеее - Koledeee - Koledeee
Als kleines Dankeschön gibt man den Kindern Süßigkeiten, Nüsse, Obst oder Geld. Während die Kleinen singend in der Nachbarschaft unterwegs sind, sind die Männer des Hauses auf der Suche nach Badnjak. Der Badnjak ist die Eiche, was bei uns den Weihnachtsbaum symbolisiert. Es wird ein kleines Ästchen von der Eiche gebrochen und damit zur Kirche gegangen. Dort weiht der Priester den Badnjak, welcher dann nach Hause gebracht wird. Bei Einbruch der Dämmerung beginnen die ganzen Bräuche des heiligen Abends - die von Haus zu Haus verschieden sind.
Sobald es dunkel wird begibt sich mein Vater mit dem Badnjak vor die Haustür. Er klopft und bittet uns ihn reinzulassen, was wir auch tun. Wir streuen Stroh auf den Boden, als Nachahmung Christis Geburt und bitten ihn sich zu uns an den Tisch zu setzen, der schon festlich gedeckt ist. Bevor der Badnjak zu seinem Platz gebracht wird, wo er uns das ganz Jahr lang beschützt, werden ein paar Blätter in Flammen gesetzt.
Zum Essen gibt es traditionelle Speißen - kein Fleisch, keine Milch- und Eierprodukte, denn noch fastet man: Zelnik, das ist ähnlich wie eine Lasagne, nur gefüllt mit Sauerkraut. Sarma - in Krautblättern gerollte Reis-Champignon-Füllung. Fisch in verschiedensten Variationen. Bohnensuppe. Verschiedene Salate, Obst, Maroni und Nüsse. Und natürlich Pogaca - selbstgebackenes Brot.
Bevor wir mit dem Essen anfangen, teilt der Hausherr ein kleines rundes Brötchen auf, indem eine Münze miteingebacken wurde. Jedes Familienmitglied kriegt ein Stück. Und wer die Münze bekommt, soll das ganze Jahr lang Glück haben.
Danach wird gegessen, getrunken und gefeiert. An diesen Abend, heißt es, soll man das Haus nicht verlassen, und bei seiner Familie bleiben.
Am 7. Jänner ist Bozik (Weihnachten) und damit endet die Fastenzeit. Am Morgen von Bozik geht man in die Messe. Man begrüßt jeden mit "Христос се роди/Hristos se rodi" was "Christus ist geboren" heißt. Und auf diesen Gruß muss man mit "Вистинa се роди/Vistina se rodi", was "Er ist wirklich geboren" heißt, antworten. Man lässt diesen Tag mit einem riesigen, festlichen Abendessen mit der ganzen Familie ausklingen.


Sani ♡

Donnerstag, Januar 05, 2012

so give me something to believe

Donnerstag, Januar 05, 2012

Handgemachte Gotteshäuser im Narodni Muzej (National Museum) in Sveti Nikole, Mazedonien.


Sani ♡

Mittwoch, Januar 04, 2012

clouded by memories of the past

Mittwoch, Januar 04, 2012

Eingang des Glockenturms der Kirche Sveti Nikola in Sveti Nikole, Mazedonien.


Sani ♡

Freitag, November 04, 2011

Punk's Not Dead - Pankot ne e mrtov

Freitag, November 04, 2011

Heute möchte ich euch Mal  einen Film vorstellen. Und zwar geht es um einen mazedonischen Film vom Regisseur Vladimir Blazevski. Der englische Titel ist "Punk's Not Dead", was auf mazedonische heißt (und der eigentliche Titel ist):


Панкот не е мртов (Pankot ne e mrtov)

via pankfilm.mk

In dem Film geht es hauptsächlich darum die aufgelöste Punk-Band wieder zu vereinen. Mirsa, gespielt von Jordan Simonov, und sein bester Freund Ljak, gespielt von Toni Mihajlovski, machen sich auf die Suche nach den zwei fehlenden Mitgliedern, die irgendwo am Balkan sind. Sie haben nämlich einen Auftrag nach siebzehn Jahren wieder vor Publikum zu spielen. Ihr Auftraggeber ist jedoch ein Albaner, und es kommt zu einigen Komplikationen (für die, die es nicht wissen, Mazedoner und Albaner sind nicht dasselbe, im Gegenteil, wir vertragen uns eigentlich so gar nicht).

Ich muss zu geben, der Film ist etwas eigen, und von sehr vielen Mirsa-Monologen geprägt, aber er ist echt sehenswert. Ich hab ihn mir schon zwei Mal reingezogen, vielleicht habt ihr ja auch Zeit dafür :)

Hier zu der Trailer:

Übrigens geht das Gerücht herum, dass der Film für den Oskar nominiert werden soll :D
Falls ihr ihn gesehen habt, sagt mir Bescheid ob er euch gefallen hat :)

5 von 5
♥ ♥ ♥ ♥ ♥
Sani ♡

Montag, Oktober 31, 2011

Pcenica und Pogaca

Montag, Oktober 31, 2011

Letzte Woche war bei uns viel los, am Montag hatte mein kleiner Bruder Geburtstag. Er ist dreizehn geworden. Am Donnerstag war unsere "Slava", das ist bei der orthodoxen Religion eine Feier des Hauses bzw. Wohnung inder man lebt (ich hab hier schon ein Mal darüber berichtet). An beiden Tagen waren Familie und Freunde zum Festessen und Feiern eingeladen, und am Freitag wurden noch mal alle zu uns gebeten, weil noch so viel vom Essen über geblieben ist.

Auf dem Foto seht ihr ganz vorne eine Schüssel mit "Pcenica" - das ist Weizen. Dann die große Kerze mit einer Ikone, einen Rotwein, und eine "Pogaca" - selbstgebackenese Brot.
Am Morgen der Slava geht man in die Kirche, kauft dort eine Kerze, und lässt Pcenica, Pogaca und Wein vom Priester weihen. Zu Hause angekommen zündet man die Kerze an und lässt sie den ganzen Tag brennen. Die männlichen Geschöpfe des gefeierten Hauses (sprich mein Vater und mein Bruder) brechen die Pogaca in der Mitte durch, und jeder darf ein kleines Stück essen. Von der Pcenica nimmt sich auch jeder einen Löffel, und vom Wein wird auch ein kleier Schluck genommen.
Langsam trudeln dann auch schon die ersten Gäste ein. Jeder Gast, wird an der Tür vom Hausherren (=Vater) empfangen, welcher ein Tablett mit der Pcenica, ganz viele Löffeln und den Wein hält. Nachdem der Gast einbisschen von der Pcenica gegessen hat, und einen Schluck vom Wein genommen hat, bricht er sich ein Stückchen von der Pogaca und darf dann am Tisch Platz nehmen.

Das war nur die Beschreibung des zeremoniellen Teils der Slava. Der Ablauf danach ist wie bei jeder Familienversammlung, jedoch müsst ihr bedenken, dass es sich hierbei um tempramentvolle Balkaner handelt. Egal wie klein deine Wohnung sein mag, hauptsache es sind so viele wie möglich eingeladen. Es wird Unmengen an Essen vorbereitet (und wenn es nicht Fleisch ist, darfst du das erst gar nicht als Essen bezeichnen). Aber die Hauptsache ist, es ist genügend Alkohol da. Tische werden aneinander gereiht, die Gäste platzieren sich rund herum. Um die dreißig Personen (ohne Kinder)

sitzen eng bei einander. Ein Problem ist ja auch, dass du irgendwie für alle diese Personen Teller und Besteck auftreiben musst. Die fünfzehn Kinder sammeln sich alle um die Playstation3 meines Bruders, sie streiten, kratzen und beißen sich, wer kriegt den Controller? Bei den Erwachsenen wird quer über die Tische geschrien. Wenn man nichts versteht, würde man denken, dass sie sich jeden Moment an die Gurgel gehen. Aber wenn jeder Mann seine geliebte Frau sitzend an seiner Seite hat; Männer miteinander reden wollen, und Frauen ihre Frauengespräche führen wollen - kann man nur quer über die Tische schreien - kein gut durchdachter Sitzplan. Es wird amüsanter, die Gespräche werden intensiver. Es wird spät. Frauen und Männer kommunizieren schon wild durcheinander. Jeder will Recht haben. Es entstehen lächerliche Diskussionen, gefüllt mit Vorurteilen. Dann wird es ernst, langsam fühlen sich die Beteiligten persönlich angegeriffen - sie kontern. Vorwürfe. Warum dies, warum das, warum du, warum nicht ich? Die kleinen Kinder sind schon müde, sie schreien herum - es wird als weinen bezeichnet. Den Eltern ist es egal, niemandes Ego darf doch gebrochen werden. Und doch gibt es immer zwei Personen, denen das am Ar*** vorbei geht. Die legen sich gegenseitig die Arme um ihre Schultern, wippen hin und her, singen lauthals mazedonische Volkslieder und halten mit der freien Hand das Weinglas in die Höhe. Wenn der Promillgehalt schon über 2.5 ist, dann wird auch traditionell dazugetanzt. Gläser fliegen zu Boden, der Wein rinnt über den Teppich - Gott sei Dank haben wir keinen - die Augen brennen vom Zigarettenrauch. Es ist laut, die Nachbarn drohen mit der Polizei. Es wird spät, sehr spät, sie werden alle müde und gehen irgendwann erschöpft nach Hause.
Sani ♡

Samstag, Oktober 08, 2011

Slava

Samstag, Oktober 08, 2011

Eine "Slava" ist bei uns orthodoxoen Mazedonern eine Feier des Hauses bzw. der Wohnung, in der man lebt. Um eine Slava feiern zu können, muss vorher jenes Haus oder Wohnung von einem Priester geweiht werden. Unsere Religion wurde vor kurzem offiziel anerkannt, und somit haben wir nur eine einzige mazedonisch-orthodoxe Kirche in ganz Österreich, nämlich in Wien 21.
Am Mittwoch war unser Priester bei uns zu Hause um unsere Wohnung zu weihen, damit wir am Petkovden (27.Oktober) unsere Slava feiern können.

Eine große Schüssel wurde mit Wasser gefüllt, getrocknetes Basilikum und ein vergoldeter Kruzifix wurden reingelegt. Davor stand ein kleines rundes Brötchen, indem drei Kerzen gesteckt wurden. In ein Glas Rotwein, in ein anderes Olivenöl gefüllt. Das Räucherwerk wurde angemacht und er begann aus seiner kleinen Bibel vorzulesen und zu singen. Meine Eltern, mein Bruder und Ich hatten jeweils eine brennende Kerze in der Hand, dessen Feuer wir von der Kerze des Priesters holten. Nach langem Zitieren der Bibel machten wir einen Rundgang durch die Wohnung. Jedes Zimmer wurde mit dem nassen Basilikum und dem Kruzifx bespritzt und somit gereinigt. Und vor jedem Eingang eines Zimmers wurde oberhalb der Tür mit dem Olivenöl als Schutzsymbol ein Kreuz gemalt.
Ich zitiere den Priester: "Die Slava ist die Feier der Taufe eures Hauses."
Nach dieser Zeremonie blieb der Priester noch zum Abendessen und erzählte von seinem Leben. Es war echt faszinierend ihm zu zuhören.

Ich gebe zu, dass ich nicht wirklich gläubig bin, aber meine Eltern sind es. Und für sie war das was ganz besonderes. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass das echt eine tolle Erfahrung war. Es war irgendwie überwältigend, weil der Priester normalerweise Messen hält für hunderte von Personen - doch jetzt stand er da in unserer Wohnung, und sprach nur für uns.



A "Slava" is for us orthodox Macedonian a celebration of our house we're living in. Before celebrating a Slava the house must be consecrated by a priest. Recently our religion was officially approved, so we have only one macedonian orthodox church in Austria, Vienna 21st district.

On Wednesday our priest was at our place to consecrate our flat, so we'll be able to celebrate at Petkovden (October 27) our Slava.

A large bowl was filled with watter, and into it put dried basil and a gold-plated crucifix. In front of that was put a small round bread with three candles on it. Poured into a glass red wine, olive oil into another. He started reading and singing out his bible. My parents, my brother and I, each of us was holding a lighted candle. After longtime quoting of the bible the priest sprinkled every room with the wet basil and crucifix, this simbolizes that the room is now clean and free of everything bad. At each entrance of a room has been painted above the door with the olive oil a cross as a protective symbol.
I quote the priest: "The Slava is the celebration of  the baptism of your house."
After this ceremony the priest stayed for dinner and talked about his life. It was really fascinating to listen to him.

I admit that I'm not really religious, but my parents are. And for them this was a great honour. Honestly it was for me also a great experience. It was kind of overwhelming because usually the priest speaks in his mass to hundred of people - but now he stood there in out flat and spoke only to us.



Wie steht ihr zu Religion? Und fandet ihr diesen Bericht interessant, oder soll ich es in Zukunft lieber lassen?
Sani ♡

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